Nachbericht zum Forumtheater vom 23.05.2013 im AAI

Safar dar Dschanat – Die Reise ins Paradies
Forumtheater zum Thema Asyl
Do, 23. Mai 2013 im Afroasiatischen Institut Salzburg

Die interkulturell zusammengesetzte und seit 2010 aktive Gruppe „dalli dalli“ aus Salzburg gestaltete erneut ein Forumtheater, dieses Mal zum Thema „Asyl“.

forumtheater

Diese interaktive Methode des Theaters der Unterdrückten, entwickelt von Augusto Boal, gibt sowohl den Teilnehmenden und betroffenen Personen als auch dem öffentlichen Publikum die Möglichkeit, eigene Erfahrungen, Sichtweisen und Meinungen zu dieser brisanten gesellschaftspolitischen Thematik zu reflektieren, auszutauschen, zu verändern. Sie eröffnet Menschen Spielräume, für ihre Probleme und sozialen Konflikte gemeinsam Handlungsalternativen und Lösungen zu entwickeln und auf der Bühne für das reale Leben zu erproben. Basierend auf eigenen Erfahrungen werden Szenen dargestellt, in die sich das Publikum verändernd einbringen kann. So soll einerseits für das Thema „Asyl“ sensibilisiert sowie ein Bewusstsein geschaffen werden und andererseits gemeinsam nach alternativen Handlungsmöglichkeiten und neuen Wegen gesucht werden.

Das Stück beginnt künstlerisch mit einer skurillen Fernsehshow, in der fünf KandidatInnen an einem Glücksrad drehen, das entscheidet, in welches Land sie geboren werden. Freude über das Zielland Australien, Ernüchterung bei Somalia. Wohin man geboren wird, kann sich eben niemand aussuchen. Danach folgen Standbilder zum Thema Flucht mit textlicher und musikalischer Untermalung sowie ein selbst verfasstes Lied von Sumita Hasenbichler.
Dann beginnt die eigentliche Forumszene, in die die Anwesenden in einer zweiten Runde einsteigen und intervenieren können. Die Geschichte handelt von zwei Asylwerberinnen – Zulfija aus Tschetschenien und Leila aus dem Irak – die in einem Asylheim in einer kleinen österreichischen Gemeinde landen. Im Wirtshaus-Stammtisch wird zuerst heftig über das kommende Asylheim im Dorf diskutiert. Der Pfarrer setzt sich dafür ein, die Wirtsleute haben Angst um das harmonische Zusammenleben im Dorf und um die Einnahmen aus dem Tourismus. Kurze Zeit später sind die ersten AsylwerberInnen im Dorf angekommen. Es folgen einige Szenen des Zusammentreffens im Dorf, die von anfänglichem Argwohn zu zaghaften Versuchen der Kontaktaufnahme und Unterstützung reichen. Doch dann kommt die Schreckensmeldung: Leila soll abgeschoben werden. Europa ist eben doch kein Paradies – zumindest nicht für viele AsywerberInnen.
Gemeinsam mit dem Publikum wurden an diesem Abend unter der Spielleitung von Theaterpädagogin Barbara Wick Handlungsmöglichkeiten erprobt und folgende Fragen in den Blick genommen: Wie kann das Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit in aktives Handeln umgemünzt werden? Welche Möglichkeiten der Unterstützung gibt es und wie sind sie in einer Dorfgemeinde mit ganz unterschiedlichen Ansichten umsetzbar? Was kann jedeR einzelne tun und welche Änderungen bräuchte es auf gesamtgesellschaftlicher und politischer Ebene?

Viele verschiedene Interventionen aus dem zahlreich erschienen Publikum zeigten die breite Palette von Handlungsoptionen auf: Die Asylwerberinnen könnten als SaisonarbeiterInnen angestellt werden und so der verzweifelten Wirtin Resi helfen, ihren Personalmangel zu überbrücken. Mit einer ordentlichen Portion Zivilcourage wurde eingegriffen, als Eisverkäufer Jakob die beiden Asylwerberinnen schlecht behandelt. Und viel Eigeninitiative wurde gezeigt, indem die Asylwerberinnen vor dem Polizisten versteckt wurden, um die Abschiebung zu verzögern.

Rollen:
Beate Wernegger: Asylwerberin Leila aus dem Irak; Kandidatin Indien
Sandra Wernegger : Asylwerberin Zulfija aus Tschetschenien; Friseurin Susi; Glückstippse Gundula
Ibrahim Al-Obeidi: Mehmet Özmir, grüner Gemeindepolitiker; Kandidat Österreich
Wolfgang Berger: Pfarrer Michael Glück; Polizist Rainer
Elisabeth Rieser: Dorfbewohnerin Brigitte; Leiterin des Asylheims „Pension Elisabeth“; Kandidatin Somalia; Grenzwache
Saied Abbas Ahmadi: Eisverkäufer Jakob: Kandidat Australien
Simone Grosser: Hotelbesitzerin Resi Grubmüller; Lotteriefee
Sumita Hasenbichler: Asylwerberin; Komponistin und Sängerin Lied „Kein Mensch ist illegal da“

Theaterpädagogische Leitung: Barbara Wick

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